Von Bettina Kretschmer , Kunsthistorikerin
In der farb-intensiven Malerei Uta Hoffmanns finden die massiven Bunkerwände wohl ihren stärksten Gegenspieler. Expressives Farb- und Formgeschehen bestimmt das Spannungsverhältnis zur Wandebene und leuchtet ihr entgegen. „Überlebens- und Befreiungsbilder“ nennt die Künstlerin selbst ihre jüngsten Gemälde, die in unterschiedlichen Phasen der Pandemie entstanden sind. Diese Bilder haben kein Sujet, sind aktuell Katalysatoren geistig-seelischer Befindlichkeit und Reflexion. Sie beschreiben die Sehnsucht nach Lebendigkeit, den neu erwachten Schaffensdrang und künstlerischen Aufbruch. Gleichzeitig lässt sich die Hinwendung zu einer
frischen, kühleren Farbpalette mit Grün-Blau Abstufungen beobachten. Wurde etwa das Neon-Gelb-Grün in vorausgegangenen Arbeiten allenfalls als flankierender Lichtpunkt eingesetzt, wird es im neuesten Bild mit dem Titel„Neon-Baby“ nun zum bestimmenden Farbimpuls, tritt selbstbewusst und in all seinen Facetten aus dem weißen Bildgrund hervor und erblickt hoffnungsfroh das Licht der Leinwand.
Was dem betrachtenden Auge mit so viel Leichtigkeit entgegenkommt, ist das Resultat eines mehrschichtigen Malprozesses, dessen Ursprung in einer ersten Berührung der Fläche mit Farbe liegt, eine Berührung in nicht vollendeter und vorläufiger Form. Zart und mehrfach abgedimmt, entsteht ein spontaner Entwurf. Dann entfaltet sich der Malakt, entwickelt seine Farbräume durch ein permanentes Übermalen, Verteilen, Verwischen, Hinzufügen kontrastierender Farben und Linien und im Verdichten kleinerer Bildzentren. Unterschiedliche (Fließ-)und Trocknungs-Eigenschaften von Tusche, Aquarell und Ölfarben, unter Einbeziehung altmeisterlicher Techniken, wurden von der Künstlerin lange Zeit erforscht, experimentell genutzt und verlangen ständig neue Abwägungen und Entscheidungen.
Diese Malerei, mit ganzem Körpereinsatz aufgetragen, verausgabt sich in all ihren Spielarten und zeigt eine unbedingte Empathie für die Diversität allen Seins. So ist die Künstlerin ebenso verzaubert von der Schönheit und dem Klang der Worte: geflüsterte, gedachte, geraunte, Worte. „Zum Wind lief meine Stimme“, nennt sie eines ihrer Bilder, das hier im Aufgang hängt. Als Titel hinzugefügt, lädt sein Wortklang das Bild poetisch auf, ohne es jedoch zu illustrieren. Die Betrachtenden sind dazu animiert, sich ganz dem Spiel aus Licht und Schatten, aus durchscheinenden Farbräumen zu öffnen, ihm nachzuspüren. Expansiv in der Ausdehnung und doch fragil im Detail entfaltet die Malerei Uta Hoffmanns ein visuelles Erleben, das sich mit imaginärer Kraft der Wirklichkeit entgegenstellt.